Der Aufbau
- Hat die Vorschrift Absätze? 63 Vorschriften der Schnellprüfung haben keine – § 111 FamFG, § 112 FamFG und § 254 ZPO sind darin seit dem 11.9.2026 enthalten; zitiert wird mit „S.“ oder „Nr.“, nie mit römischer Ziffer und nie mit „Abs.“.
- Unterhalt und Verwandtschaft: § 1571, § 1572, § 1579, § 1581, § 1587, § 1591, § 1592, § 1593, § 1601, § 1609 BGB; § 1569 und § 1580 BGB haben einen Absatz ohne Absatznummer mit je zwei Sätzen – richtig ist „§ 1569 S. 1 BGB“.
- Verfahrensrecht: § 111 FamFG, § 112 FamFG, § 201 FamFG, § 254 ZPO. ⤷ Weiche: Nummer steht in dieser Liste / steht nicht darin. Durchwirkung: steht sie darin, ist jede römische Ziffer falsch, und die anschließende Satzzählung beginnt am Anfang der Vorschrift, nicht am Anfang eines Absatzes.
- Ausdrücklich zulässig, weil die Absätze bestehen: § 1365 II BGB · § 1369 II und III · § 1377 III · § 1589 I 1 · § 1590 I und II · § 1600 III 3 · § 1600 V 3 · § 1603 II 1 und II 2 · § 1629 II 1 · § 1789 II 3 und 4 · § 1824 II BGB · § 94 Ia 1 SGB XII · § 66 I EStG.
- Ist der Absatz weggefallen? § 1378 IV, § 1390 IV, § 1568 II, § 1589 II, § 1597 III BGB und § 1600b Ia BGB tragen „(weggefallen)“ – wer sie zitiert, zitiert einen leeren Absatz. Der Verwandtschaftsgrad steht in § 1589 I 3 BGB, die Schwägerschaft in § 1590 BGB.
- Ist die Vorschrift aufgehoben? § 1370 BGB (1.9.2009) · §§ 1558 bis 1563 BGB (1.1.2023, Güterrechtsregister abgeschafft; alte Eintragungen wirken nach Art. 229 § 64 I EGBGB noch für Geschäfte vor dem 1.1.2028) · § 1597a BGB (29.7.2026). ⤷ Weiche: weggefallener Absatz / aufgehobene Vorschrift. Durchwirkung: beim weggefallenen Absatz gilt die Norm weiter und der Inhalt ist in einem anderen Satz derselben Vorschrift zu suchen; bei der aufgehobenen Vorschrift ist nach der Nachfolgeregelung zu suchen – oder festzustellen, dass es keine gibt.
- Welche Fassung gilt am Stichtag des Falles?
- 1.1.2022 – § 811 ZPO neu gefasst, vier Absätze, Absatz 1 mit acht Nummern.
- 1.1.2023 – § 1358 BGB neu eingefügt; § 1412 BGB neu gefasst und dabei absatzlos geworden; Vormundschafts- und Betreuungsrechtsreform.
- 1.1.2024 – MoPeG: § 705, § 708, § 730, § 740b BGB.
- 1.5.2025 – § 1355 BGB vollständig neu gefasst, § 1355a BGB neu.
- 1.4.2026 – § 1600 BGB vollständig neu gefasst; §§ 1594 bis 1600b BGB mitgeändert.
- 1.6.2026 – § 1600d BGB geändert.
- 29.7.2026 – § 1597a BGB aufgehoben, § 1598 BGB neu gefasst.
- Ist die Vorschrift umnummeriert?
- § 1795 BGB a.F. → § 1629 II 1 BGB iVm § 1824 BGB.
- § 1796 BGB a.F. → § 1789 II 3, 4 BGB.
- Die nicht rechtsfähige Gesellschaft steht in § 705 II BGB, ihre Auseinandersetzung in § 740b BGB, nicht in § 730 BGB; § 708 BGB heißt „Gestaltungsfreiheit“ und trägt kein Haftungsprivileg mehr.
- Geltendes Recht oder Entwurf? ⤷ Weiche: verkündet und in Kraft / verkündet, aber nicht in Kraft / Referentenentwurf. Durchwirkung: nur aus in Kraft getretenem Recht wird subsumiert – die Kindschaftsrechtsreform ist Entwurf, so dass § 1626a BGB in der heutigen Fassung gilt, und die Gewaltschutzreform ist verkündet, tritt aber im Kern erst am 1. Juli 2027 in Kraft, so dass § 1 GewSchG drei Absätze hat und § 1684 BGB vier.
- Darf eine Mehrheit behauptet werden? Bei den gesperrten Streitständen nicht. Dort steht kein Mehrheitsetikett, sondern beide Auffassungen nebeneinander, jede mit ihrem tragenden Argument, und entschieden wird am Normtext. Nicht offen ist die Schwelle des § 1365 I 1 BGB: Sie ist bei kleineren Vermögen erreicht, wenn mehr als 85 % übertragen werden (BGH, Urt. v. 16.1.2013 – XII ZR 141/10), bei größeren, wenn weniger als 10 % verbleiben.
- Zitierform. Hinter BGB-Vorschriften steht „BGB“ ausgeschrieben, jedes andere Gesetz behält sein Kürzel; römische Absätze ohne „Abs.“; „iVm“; „Alt.“ im Normzitat und niemals „Fall“.
- Sprachstand. § 1365 II BGB verlangt die Grundsätze einer ordnungsmäßigen, nicht einer „ordnungsgemäßen“ Verwaltung.