Die Haftung nach dem Produkthaftungsgesetz (§ 1 ProdHaftG)

Prüfungsschema · Schuldrecht AT · Erstes Staatsexamen

Wann du dieses Schema aufschlägst

Immer neben § 823 I BGB, nie statt seiner. Du erkennst den Anlass daran, dass der Sachverhalt ein Serienprodukt, einen Hersteller und einen Personen- oder Sachschaden nennt — und dass beim Verschulden etwas fehlt oder streitig ist: Dort ist das Gesetz stärker, weil es ohne Verschulden haftet. Schwächer ist es, wo die beschädigte Sache gewerblich genutzt wurde oder wo die Sache selbst der Schaden ist (beides § 1 I 2 ProdHaftG) und wo seit dem Inverkehrbringen zehn Jahre vergangen sind (§ 13 I 1 ProdHaftG).

Der Aufbau

  • Produkt, § 2 ProdHaftG
    • Jede bewegliche Sache
      • Auch als Teil einer anderen beweglichen oder einer unbeweglichen Sache
    • Elektrizität
    • Das Produkt bietet nicht die Sicherheit, die unter Berücksichtigung aller Umstände berechtigterweise erwartet werden kann
      • Insbesondere seiner Darbietung (Buchst. a)
      • Des Gebrauchs, mit dem billigerweise gerechnet werden kann (Buchst. b)
      • Des Zeitpunkts des Inverkehrbringens (Buchst. c)
  • Hersteller, § 4 ProdHaftG
    • Abs. 1 S. 1 Endprodukt, Grundstoff oder Teilprodukt
    • Abs. 1 S. 2 Quasi-Hersteller durch Name, Marke oder Kennzeichen
    • Abs. 2 EWR-Importeur
    • Abs. 3 S. 1 Lieferant
      • Wenn der Hersteller nicht feststellbar ist und er ihn nicht binnen eines Monats benennt
  • Rechtsgutsverletzung, § 1 I 1 ProdHaftG
    • Tötung
    • Verletzung von Körper oder Gesundheit
    • Beschädigung einer Sache
    • Jeweils durch den Fehler verursacht — Kausalität
  • Beim Sachschaden drei zusätzliche Voraussetzungen, § 1 I 2 ProdHaftG
    • Beschädigt ist eine andere Sache als das fehlerhafte Produkt → S-6.02
    • Sie ist ihrer Art nach gewöhnlich für den privaten Ge- oder Verbrauch bestimmt
    • Und wurde vom Geschädigten hauptsächlich hierzu verwendet
  • Kein Haftungsausschluss, § 1 II ProdHaftG
    • Nr. 1 nicht in den Verkehr gebracht
    • Nr. 2 Fehler damals noch nicht vorhanden
    • Nr. 3 kein wirtschaftlicher Zweck und keine berufliche Tätigkeit
    • Nr. 4 zwingende Rechtsvorschriften
    • Nr. 5 Entwicklungsrisiko
    • § 1 III ProdHaftG für Teilprodukt und Grundstoff
  • Beweislast, § 1 IV ProdHaftG
    • Fehler, Schaden und Ursachenzusammenhang trägt der Geschädigte
    • Den Ausschluss nach Absatz 2 oder 3 trägt der Hersteller
  • Mitverschulden, § 6 I ProdHaftG
    • Bei Sachbeschädigung steht das Verschulden dessen gleich, der die tatsächliche Gewalt ausübt
    • § 6 II ProdHaftG: keine Minderung wegen des Beitrags eines Dritten
  • Umfang und Grenzen
  • Zeitliche Grenzen
    • § 12 I ProdHaftG: Verjährung in drei Jahren
      • Ab Kenntnis oder fahrlässiger Unkenntnis von Schaden, Fehler und Ersatzpflichtigem
    • § 13 I 1 ProdHaftG: Erlöschen zehn Jahre nach dem Inverkehrbringen
      • Unabhängig von jeder Kenntnis
  • Mehrere Hersteller, § 5 S. 1 ProdHaftG
  • Verhältnis zu anderen Vorschriften

4 Normen im Überblick

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