Formelle und materielle Rechtskraft

Zivilprozessrecht · Feld 3 · D-3.08 · Definition aus ALEX – Tutor

Der Wortlaut

Formelle Rechtskraft bedeutet die Unanfechtbarkeit einer gerichtlichen Entscheidung; sie tritt ein, wenn kein Rechtsmittel und kein Einspruch mehr eingelegt werden können, § 705 ZPO.

Materielle Rechtskraft ist die Bindungswirkung, die ein formell rechtskräftiges Urteil für Folgeprozesse entfaltet. Sie reicht nach § 322 I ZPO nur so weit, als über den durch Klage oder Widerklage erhobenen Anspruch entschieden ist: „Urteile sind der Rechtskraft nur insoweit fähig, als über den durch die Klage oder durch die Widerklage erhobenen Anspruch entschieden ist“ (§ 322 I ZPO). Aus dem Wort „nur insoweit“ folgt, dass Vorfragen nicht in Rechtskraft erwachsen (BGH, Versäumnisurt. v. 17.2.2023 – V ZR 212/21); die einzige gesetzliche Ausnahme trifft § 322 II ZPO für die zur Aufrechnung gestellte Gegenforderung.

Sie wirkt in drei Richtungen: als ne bis in idem – eine erneute Klage über denselben Streitgegenstand ist unzulässig; als Präjudizialität – ist der rechtskräftig entschiedene Anspruch im Folgeprozess Vorfrage, ist er ohne erneute Prüfung zugrunde zu legen; und als Bindung an das kontradiktorische Gegenteil – das Folgegericht darf nicht das Gegenteil feststellen.

Woran gemessen wird

Diese Wörter müssen im Examen fallen — der Rest darf mit eigenen Worten kommen.

  • Formelle Rechtskraft
  • Unanfechtbarkeit
  • kein Rechtsmittel und kein Einspruch
  • Materielle Rechtskraft
  • Bindungswirkung
  • Folgeprozesse
  • nur so weit, als über den durch Klage oder Widerklage erhobenen Anspruch entschieden ist
  • nur insoweit
  • Vorfragen nicht in Rechtskraft erwachsen
  • ne bis in idem
  • Präjudizialität
  • Bindung an das kontradiktorische Gegenteil

Fundstellen

Woher der Wortlaut stammt

§ 705 S. 1 ZPO · § 322 I ZPO · Referenztext ECK_D 4.2 · Gesetzeswortlaut

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