Die Versuchung ist, nach zehn Minuten anzufangen zu schreiben. Sie kostet mehr als jede andere Entscheidung des Tages, denn ein Aufbau, der auf halb gelesenem Sachverhalt steht, lässt sich nach zwei Stunden nicht mehr korrigieren.
Dreimal lesen, jedes Mal mit einer anderen Frage
- Einmal ganz durch, ohne Stift. Du willst nur wissen, worum es geht und wer wem etwas will.
- Ein zweites Mal mit dem Stift: jeden Beteiligten, jedes Datum, jeden Betrag, jede Willenserklärung.
- Ein drittes Mal mit dem Bearbeitervermerk im Kopf. Erst jetzt weißt du, welche der Tatsachen überhaupt gefragt sind.
Zwei Blätter entstehen dabei, und beide bleiben bis zum Schluss neben dir liegen:
- die Beteiligtenskizze — wer steht zu wem in welchem Verhältnis;
- der Zeitstrahl — was ist wann geschehen.
Aus einem Sachverhalt mit drei Beteiligten und drei Daten wird das hier.
Die Skizze — jeder Pfeil ist ein Rechtsgeschäft, jede Beschriftung eine Norm:
Ahlmann --- Kaufvertrag 12.400 EUR ---> Wendtland
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| Vollmacht? | übereignet, [§ 929 S. 1 BGB](https://dejure.org/gesetze/BGB/929.html)
v v
Terlinden Kamera
Der Zeitstrahl — links das Datum, rechts, was an diesem Tag geschehen ist:
02.03. Aufforderung geht zu -> Frist [§ 177 II 2 BGB](https://dejure.org/gesetze/BGB/177.html) läuft
05.03. Wendtland übergibt
16.03. Ende der Frist -> ab hier: gilt als verweigert
20.03. Ahlmann genehmigt -> zu spät
Jedes Datum im Sachverhalt gehört auf den Strahl, auch eines, zu dem der Text nichts weiter sagt. In drei der zehn Klausuren dieses Werks nennen die Korrekturhinweise eine nicht oder falsch gerechnete Frist als typischen Fehler — und eine Frist beginnt immer an einem Tag, der im Sachverhalt steht.