Grenzen der Eilkompetenz der Staatsanwaltschaft (§ 105 StPO)

Strafrecht I · Übungsfall aus ALEX – Tutor · 6 Aussagen zu beurteilen

Der Sachverhalt

Die Staatsanwaltschaft legt der Ermittlungsrichterin am Vormittag einen Durchsuchungsantrag vor. Die Richterin teilt um 11.30 Uhr mit, sie wolle die Akte zunächst durchsehen, und meldet sich zwei Stunden lang nicht. Um 13.30 Uhr ordnet der Dezernent die Durchsuchung selbst an und vermerkt: „Richterliche Entscheidung nicht rechtzeitig zu erlangen, Gefahr im Verzug.“ Du prüfst, ob er dazu befugt war.

  1. Aussage 1 von 6 · Richtig oder falsch?

    Für die Anordnung einer Durchsuchung ist grundsätzlich der Ermittlungsrichter zuständig; die Staatsanwaltschaft darf nur bei Gefahr im Verzug selbst anordnen.

  2. Aussage 2 von 6 · Richtig oder falsch?

    „Gefahr im Verzug“ ist ein weit zu verstehender Beurteilungsspielraum der Staatsanwaltschaft, den die Gerichte nur auf Willkür überprüfen.

  3. Aussage 3 von 6 · Richtig oder falsch?

    Der Vermerk des Dezernenten genügt den Dokumentationsanforderungen, weil er ausdrücklich „Gefahr im Verzug“ nennt.

  4. Aussage 4 von 6 · Richtig oder falsch?

    Nach heute herrschender Auffassung ist die Eilkompetenz der Staatsanwaltschaft verbraucht, sobald der Ermittlungsrichter mit der Sache befasst ist.

  5. Aussage 5 von 6 · Richtig oder falsch?

    Zwei Stunden Aktenstudium der Richterin begründen für sich genommen bereits die Eilbedürftigkeit.

  6. Aussage 6 von 6 · Richtig oder falsch?

    Die Anordnung des Dezernenten ist rechtswidrig; ein Beweisverwertungsverbot folgt daraus jedoch nicht automatisch.

Dieser Fall steht frei. Was ein Konto hinzufügt, ist der Rhythmus: Eine Aussage, die du nicht getroffen hast, holt dir ALEX nach der Vergessenskurve zurück — mit Sachverhalt und allen Aussagen, so wie er hier steht. Was danebenging, steht abends im Fehlerprotokoll, mit dem Beleg daneben. Kostenlos anmelden oder erst im Strafrecht I weiterlesen.

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