Strafrecht V · Übungsfall aus ALEX – Tutor · 7 Aussagen zu beurteilen
Vor der großen Strafkammer steht A, Lagerleiter eines Betriebs. Das Tresorschloss protokolliert vom 5. Januar bis 27. März 2026 vierzehn nächtliche Öffnungen, nach jeder ein Fehlbetrag; zusammen 11.400 Euro. An sechs Abenden war laut Zeiterfassung allein A im Haus, an den acht übrigen zwei weitere Berechtigte. Auf seinem Rechner fand sich die Kombination; im Februar tilgte er 4.000 Euro Schulden.
Dass keines der Indizien für sich allein trägt, ist kein Einwand gegen den Indizienbeweis, sondern seine Normalgestalt.
Weil jedes der drei Indizien für sich eine harmlose Erklärung zulässt — Zufall, dienstlich erlangte Kenntnis der Kombination, eine Erbschaft —, ist freizusprechen.
Der Bauplan des Indizienbeweises hat vier Stufen, und die letzte von ihnen ist die, die in den Gründen am häufigsten fehlt.
Trägt V vor, ein unbekannter Dritter könne die Kombination abgelesen haben, zwingt der Zweifelssatz dazu, das zugunsten des A zu unterstellen.
Die Schuldentilgung ist ein Umstand, der sich in beide Richtungen deuten lässt, und beide Deutungen gehören in die Gründe.
Ergibt die Gesamtwürdigung, dass jedenfalls ein Teil der vierzehn Entnahmen auf A zurückgeht, kann er wegen aller vierzehn Fälle verurteilt werden.
Der Schlussabsatz enthält nichts Neues, sondern nur die Verbindung — und er sagt in einem eigenen Satz, was nicht festgestellt werden konnte.
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