01 · Lernpfad & Architektur — von 0 zur prädikatsfähigen Hauptverhandlung
Überblick
Zielgruppe: Referendarin oder Referendar vor oder in der Strafstation. Maßstab: die zwei Examensklausuren dieses Bandes.
Keine Sorge — dieses erste Kapitel ist nur die Landkarte. Du musst hier noch nichts können. Es zeigt, wie der Band gebaut ist und in welcher Reihenfolge du am besten lernst. Blättere jederzeit hierher zurück.
Der Band in einem Bild
Drei Schichten bauen aufeinander auf — Wissen → Übung → Klausur:
- Wissen
152 Module erklären jeden Baustein von null — mit Norm, Formulierungsmuster und Quick-Check. - Übung
141 Mikrofälle in drei Stufen: Grundfall, Variante, Streitfall — 47 Themen, jedes in allen dreien. - Klausur
Zwei vollständige Examensklausuren mit Musterlösung, dazu der Klausurencoach, der beide Station für Station führt.
Dazu die Aufbauraster in Feld 0: acht Prüfungsreihenfolgen, vom Mangel des Eröffnungsbeschlusses bis zur Verkündung. Ein Raster ist kein Stoff — es ist der Aufbau, und den brauchst du erst, wenn du weißt, was hineingehört.
Vertiefung
Der empfohlene Lernpfad
Es ist ein Wegweiser zum Zurückblättern und kein Pensum, das du jetzt verstehen musst. Die Tagesangaben sind aus dem Umfang gerechnet: Rund zwanzig Lerntage, verteilt nach dem Anteil, den ein Feld am Lehrtext des Bandes hat.
- Schritt 0 — Die Raster (≈ ½ Tag)
Feld 0: acht Prüfungsreihenfolgen. Einmal lesen, nicht durcharbeiten — du kommst nach jedem Feld hierher zurück. - Schritt 1 — Bis zum ersten Aufruf (≈ 2–3 Tage)
Feld 1: der Eröffnungsbeschluss und seine Mängel, Umgrenzungs- gegen Informationsfunktion, Zuständigkeitskorrektur nach §§ 225a, 270 StPO, Ladung und Ladungsfrist des § 217 StPO, Besetzungsmitteilung und Besetzungseinwand. Hier entscheidet sich, ob überhaupt verhandelt werden darf. - Schritt 2 — Das Gerüst (≈ 3 Tage)
Feld 2: der Gang von § 243 StPO bis zum Schluss, die ununterbrochene Gegenwart nach § 226 StPO, §§ 230 bis 233 StPO, die Entfernung nach § 247 StPO, notwendige Verteidigung, Öffentlichkeit und der Zwischenrechtsbehelf des § 238 II StPO. - Schritt 3 — Personalbeweis (≈ 3 Tage)
Feld 3: Strengbeweis und § 250 StPO, die Kette der Zeugenvernehmung, §§ 52, 55 StPO, das Verwertungsverbot des § 252 StPO mit seinen drei Ausnahmen, der Sachverständige und der sachverständige Zeuge. - Schritt 4 — Urkunden und Augenschein (≈ 2 Tage)
Feld 4: die drei Einführungsformen, das Selbstleseverfahren, §§ 251, 253, 254, 255a, 256 StPO, der Vorhalt und der Ort des Widerspruchs nach § 257 StPO. - Schritt 5 — Das Beweisantragsrecht (≈ 3–4 Tage, der Schwerpunkt)
Feld 5: die Legaldefinition des § 244 III 1 StPO, Konnexität, die sechs Ablehnungsgründe des Satzes 3, §§ 244 IV bis VI, 245 StPO, Hilfsbeweisantrag und Aufklärungsrüge. Das größte Feld des Bandes mit 24 Einheiten — und die Bedeutungslosigkeit nach Nummer 2 war in elf von 36 dokumentierten Terminen zu prüfen, so oft wie nichts sonst hier. - Schritt 6 — Hinweis und Reaktion (≈ 1–2 Tage)
Feld 6: § 265 StPO in allen vier Absätzen, die Nachtragsanklage nach § 266 StPO, Einstellen und Beschränken in laufender Verhandlung. - Schritt 7 — Verständigung (≈ 2 Tage)
Feld 7: Erörterung gegen Verständigung, § 257c StPO Absatz für Absatz, die Belehrung vor der Zustimmung, Bindungswegfall, Dokumentation. - Schritt 8 — Gericht, Protokoll, Abschluss (≈ 2 Tage)
Feld 8: Ausschluss und Ablehnung nach §§ 22 bis 29 StPO, die wesentlichen Förmlichkeiten, die Beweiskraft des § 274 S. 1 StPO, Schlussvorträge, letztes Wort, Beratung, Verkündung. - Schritt 9 — Klausurphase
Erst der Klausurencoach — 46 Stationen je Klausur —, dann beide Klausuren unter Zeit. Zwischendurch die Jura Eule zum Wachhalten.
Woran du merkst, dass es sitzt
Du nennst Absatz, Satz und Nummer und nicht die Vorschrift. Du schreibst einen Ablehnungsbeschluss mit einem Tenor, der den Antrag bezeichnet, und mit Gründen, die aus sich heraus verständlich sind — ohne das Muster daneben zu legen. Und bevor du eine Verfahrensrüge aufbaust, fragst du, was im Protokoll steht und was dort gerade nicht steht.