Der Aufbau
- Formwirksam zustande gekommener Bürgschaftsvertrag → S-9.01 · S-9.02
- Krasse finanzielle Überforderung
- Sie liegt vor, wenn der Bürge bei Eintritt des Sicherungsfalls voraussichtlich nicht einmal die laufende Zinslast der Hauptschuld aus dem pfändbaren Teil seines Einkommens und Vermögens dauerhaft aufbringen kann
- Gerechnet wird die Zinslast gegen den pfändbaren Teil des Arbeitseinkommens (§ 850c ZPO)
- Hauptschuld × Sollzinssatz, umgelegt auf den Monat
- Die Tilgung bleibt außer Betracht
- Für sich genommen ist die Überforderung kein Sittenwidrigkeitsgrund
- Sie ist nur der Anknüpfungspunkt einer Vermutung
- Fallgruppe
- Widerlegung der Vermutung
- Durch ein eigenes unmittelbares wirtschaftliches Interesse des Bürgen
- Die substanzielle Beteiligung mit Geschäftsführungsbefugnis genügt, der bloße Mitgenuss der Betriebseinnahmen nicht
- Oder durch Aufklärung über die Tragweite der Verpflichtung
- Maßgeblicher Zeitpunkt — die Verhältnisse bei Vertragsschluss
- Eine erst später eintretende Verschlechterung macht die Bürgschaft nicht sittenwidrig
- Rechtsfolge, § 138 I BGB
- Nichtigkeit des ganzen Vertrags
- Eine Kürzung auf einen tragbaren Betrag kennt die Vorschrift nicht
- § 766 S. 3 BGB heilt sie nicht
- § 138 II BGB scheidet aus — es fehlt an einer Leistung des Gläubigers an den Bürgen