Reichweite: Nacherbenvertretung, Löschung des Nacherbenvermerks; Abgrenzung zur Testamentsvollstreckung

Xavers Nachfolge ist teils als Vor- und Nacherbschaft gestaltet (Sohn Vorerbe, Enkel Nacherben), ein Grundstück trägt einen Nacherbenvermerk. Xaver hat seinem langjährigen Steuerberater Tobias, der weder Vorerbe noch Nacherbe ist, eine über den Tod hinaus wirkende Generalvollmacht ohne inhaltliche Beschränkung erteilt. Auch dieses Grundstück soll Tobias nach Xavers Tod verwerten können. Zugleich überlegt Xaver, ob nicht besser eine Testamentsvollstreckung die Verwaltung übernehmen sollte.

Reicht die transmortale Generalvollmacht bis zur Vertretung der Nacherben und zur Löschung des Nacherbenvermerks — und wie steht sie zur Testamentsvollstreckung?

Lösung

Ja — eine umfassende, einem Dritten (nicht dem Vorerben) erteilte transmortale Generalvollmacht deckt im Zweifel auch die Vertretung der Nacherben und die Bewilligung der Löschung des Nacherbenvermerks; das ist Auslegungssache (§§ 133, 157 BGB) und bei umfassender Vollmacht regelmäßig zu bejahen (BGH, 22.05.2025 – V ZB 46/24). Tobias kann das belastete Grundstück also vollziehen. Nur verwechsle man Vollmacht und Testamentsvollstreckung nicht: Der Vollstrecker hat eine eigene Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis (§ 2205) und sperrt die Erben (§ 2211), der Bevollmächtigte handelt dagegen abgeleitet und jederzeit widerruflich.

  • Der Preis der Vollmacht: nur schwache auftragsrechtliche Bindung (Auskunft und Rechenschaft, § 666), Widerruf durch die Erben (§ 168 S. 2) — daraus folgt ein Missbrauchsrisiko.

  • Die Stärke der Testamentsvollstreckung: kontrolldicht (Pflichten §§ 2216, 2218, 2219), Entlassung nur aus wichtigem Grund (§ 2227).

  • Praktischer Rat: die dauerhafte, verlässliche Verwaltung der Testamentsvollstreckung überlassen, die Vollmacht nur dienend zur schnellen Vollzugssicherung danebenstellen — und beide ausdrücklich aufeinander abstimmen, damit keine widerstreitenden Zuständigkeiten entstehen.

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