Skript

01 · Lernpfad & Architektur — von 0 zur prädikatsfähigen Anklageklausur

Überblick

Zielgruppe: Referendarin oder Referendar vor oder in der Staatsanwaltsstation. Maßstab: die acht Examensklausuren dieses Bandes.

Keine Sorge — dieses erste Kapitel ist nur die Landkarte. Du musst hier noch nichts können. Es zeigt, wie der Band gebaut ist und in welcher Reihenfolge du am besten lernst. Blättere jederzeit hierher zurück.

Der Band in einem Bild

Drei Schichten bauen aufeinander auf — Wissen → Übung → Klausur:

  • Wissen
    152 Module erklären jeden Baustein von null — mit Norm, Formulierungsmuster und Quick-Check.
  • Übung
    141 Mikrofälle, gestuft vom Grundfall zum Streitfall.
  • Klausur
    Acht vollständige Examensklausuren mit Musterlösung, dazu der Klausurencoach.

Dazu die Aufbauraster in Feld 0: die Reihenfolge der Abschlussentscheidung und der Aufbau der Anklageschrift. Ein Raster ist kein Stoff — es ist der Aufbau, und den brauchst du erst, wenn du weißt, was hineingehört.

Vertiefung

Der empfohlene Lernpfad

Es ist ein Wegweiser zum Zurückblättern und kein Pensum, das du jetzt verstehen musst.

  • Schritt 0 — Der Bezugspunkt (≈ 1–2 Tage)
    Feld 1: die prozessuale Tat nach § 264 StPO. Sie bestimmt, worüber angeklagt wird, was in Rechtskraft erwächst und wo Art. 103 Abs. 3 GG greift. Ohne sie hängt der Rest in der Luft.
  • Schritt 1 — Geht das überhaupt? (≈ 2 Tage)
    Feld 2: Verfahrenshindernisse und Prozessvoraussetzungen — von Amts wegen zu prüfen, in jeder Lage des Verfahrens.
  • Schritt 2 — Die Hürden davor (≈ 2 Tage)
    Feld 3: Strafantrag, besonderes öffentliches Interesse, Privatklage, Verjährung. Kleine Normen mit großer Wirkung; hier fallen die meisten stillen Punkte.
  • Schritt 3 — Der andere Ausgang (≈ 3 Tage)
    Feld 4: Einstellungen nach §§ 153, 153a, 154, 170 Abs. 2 StPO, Bescheide nach § 171 StPO, Mitteilungen nach § 14 EGGVG. Die Einstellung ist kein Ausweichen — sie ist eine Entscheidung, die begründet wird.
  • Schritt 4 — Das Schriftstück (≈ 4–5 Tage, der Schwerpunkt)
    Feld 5: die Anklageschrift nach § 200 StPO — Anklagesatz, konkrete Tat, wesentliches Ergebnis der Ermittlungen, Beweismittel, Vorschriftenkette. Schreib sie ab, bevor du sie selbst schreibst.
  • Schritt 5 — Wohin damit? (≈ 2 Tage)
    Feld 6: sachliche und örtliche Zuständigkeit, Strafrichter, Schöffengericht, Straf- und Jugendkammer, die Straferwartung als Maßstab.
  • Schritt 6 — Die Verfügung (≈ 2 Tage)
    Feld 7: die Abschlussverfügung in ihrer Reihenfolge — nach außen vor nach innen.
  • Schritt 7 — Die Abkürzungen (≈ 2 Tage)
    Feld 8: Strafbefehl, beschleunigtes Verfahren, objektives Verfahren, Sicherungsverfahren.
  • Schritt 8 — Klausurphase
    Erst der Klausurencoach, dann die vollen Klausuren unter Zeit. Zwischendurch die Jura Eule zum Wachhalten.

Woran du merkst, dass es sitzt

Du schreibst einen Anklagesatz, ohne das Muster daneben zu legen. Du prüfst die Verfahrenshindernisse, bevor du dich über den Tatnachweis freust. Und du entscheidest zwischen Anklage, Strafbefehl und Einstellung mit einer Begründung, die zwei Sätze lang ist und trägt.